Verbände: "Bremen hat keine Bildungsmisere, sondern eine Armutsmisere"
Verbände: "Bremen hat keine Bildungsmisere, sondern eine Armutsmisere"
Der Runde Tisch zur Bildung sorgt für viel Kritik, weil viele derjenigen, die ihn gefordert hatten, gar nicht dabei sind. Diese Gruppen haben jetzt eine Gegenveranstaltung organisiert.
Bremens Bildungssenatorin Sascha Aulepp (SPD) hatte im vergangenen Dezember einen Runden Tisch zur Bildung angekündigt. Gefordert hatte diesen die Bremer Schulleitungsvereinigung sowie 13 weitere Initiatoren.
Im Januar kam es dann zur ersten Auflage des Runden Tisches, die meisten Initiatoren waren aber nicht eingeladen – genauso wie Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) und Finanzsenator Björn Fecker (Grüne). Das sorgte schon im Vorfeld für viel Kritik. Anfang März gab es dann die zweite Sitzung des Runden Tisches, im Mai ist eine dritte geplant. Konkrete Ergebnisse gab es bisher nicht.
Gegenveranstaltung zum Runden Tisch
17 Bildungsverbände, Vereine und Gewerkschaften, die beim Runden Tisch nicht dabei sind, haben gestern Abend zu einer eigenen Veranstaltung eingeladen, um über Wege aus der Bremer Bildungsmisere zu sprechen. Ziel der Veranstaltung war es, das Thema "Schule unter sozialer Benachteiligung" in den Vordergrund zu rücken. Achim Kaschub, Vorsitzender des Schulleitungsverbands, kritisierte den bestehenden Runden Tisch als ineffektiv. "Der bildungsinterne Runde Tisch ist für mich eine Scheinveranstaltung. Nach meiner Auffassung werden da Leute beschäftigt, aktiv zu sein, womit aber davon abgelenkt wird, dass man keine Entscheidung trifft."
Die Diskussion konzentrierte sich darauf, wie sehr Armut die Schullaufbahn von Kindern beeinträchtigt. Der Bildungsforscher Stephan Ellinger wies darauf hin, dass die soziale Herkunft eines Schülers deutschlandweit ein entscheidender Faktor für den Schulerfolg ist. "Die soziale Herkunft eines Schülers ist in Bayern wie in Bremen der maßgebliche Wert, ob er Schulerfolg hat oder nicht", sagte Ellinger. Nur habe Bremen die höchste Armutsquote in Deutschland, was sich direkt auf die Schulen und den Unterricht auswirke.
Viele Lehrkräfte sind am Limit
Lehrkräfte beklagen, dass die Schüler mit immer mehr Lernschwierigkeiten und Sprachproblemen in die Schulen kommen, besonders in den ärmeren Stadtteilen. Achim Kaschub sagte dazu: "Bremen hat keine Bildungsmisere, sondern eine Armutsmisere."
Die Stimmung bei der Veranstaltung war angespannt. Viele Lehrkräfte berichteten, dass sie am Limit ihrer Belastbarkeit arbeiten und überarbeitet sind. Auch Schüler äußerten Kritik, dass der Unterricht veraltet sei und sie sich nicht richtig wahrgenommen fühlen. Insgesamt war die Diskussion ein Ventil für Frustrationen über das Bildungssystem und dessen Schwächen, wobei die Themen schnell von Armut zu anderen Bereichen wechselten und der Überblick verloren ging.
Forderung: Bildungsausgaben pro Kopf sollen steigen
Im Vorfeld der Veranstaltung hatten die Verbände mehrere Forderungen formuliert. Diese spielten am Abend selbst jedoch nur eine Nebenrolle. Sie fordern unter anderem, dass die Ausgaben pro Schüler in Bremen auf das Niveau anderer Stadtstaaten wie Hamburg und Berlin erhöht werden. Zudem müsse mehr Platz für die steigende Zahl an Kindern geschaffen werden, da bereits jetzt viele Schulen mit Platzmangel kämpfen. Eine engere Zusammenarbeit zwischen den Ressorts Bildung, Gesundheit und Soziales sei ebenfalls notwendig, um den vielfältigen Problemen der Kinder und Jugendlichen gerecht zu werden. So müsse beispielsweise bei Lernschwächen oder körperlichen Behinderungen eine koordinierte Unterstützung gewährleistet sein.
Bildungsdebatte in Bremen: Aulepp fordert mehr Geld vom Bund für Schulen
Quelle: buten un binnen.
Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Morgen, 27. März 2025, 7:10 Uhr