Streit um Horner Spitze: Grüne Oase in Bremen oder Gewerbepark?

Neue Machbarkeitsstudie zu Horner Spitze in Bremen sorgt für Gegenwind

Bild: Radio Bremen

Der auf der Grünfläche ansässige Verein kämpft um seine Heimat, während die Politik Arbeitsplätze schaffen will. Die Entscheidung könnte noch vor dem Sommer fallen.

Die sogenannte "Horner Spitze" ist eine sechs Hektar große Naturfläche nahe der Bremer Universität im Stadtteil Horn-Lehe. Ein Flecken Grün mitten in der Stadt, auf dem auch mehrere Pferde, Ponys und Ziegen leben. Seit Herbst 2021 steht der Plan im Raum, genau diese Fläche als Gewerbefläche auszuweisen, denn sie grenzt nur von einer Bahnlinie getrennt an das schon bestehende Gewerbegebiet Technologiepark an der Universität.

Aber: Aktuell ist hier der Verein "Kinder, Wald und Wiese" zu Hause. Der Verein bietet Kindern und Jugendlichen ein pädagogisches Angebot mit Pferden und Ponys an. Wenn der Park ausgebaut werden würde, müssten die Ponys jedoch umziehen, schließlich stehen dann dort, wo jetzt noch grüne Wiesen und Bäume sind, Bürogebäude und Forschungseinrichtungen.

Eine Frau füttert ein Pferd, im Vordergrund sind zwei Enten.
Auch die Pferde und Ziegen sollen mit dem Verein "Kinder, Wald und Wiese" laut der Machbarkeitsuntersuchung auf ein Gebiet am Unisee umziehen. Bild: Radio Bremen

Keine Option für den Verein, wie Ben Hadler vom Vereinsvorstand mitteilt. "In unserer täglichen Arbeit kommen Schulen, Kitas und eine Jugendgruppe des Rebuz zu uns. Vor allem, weil wir fußläufig für sie zu erreichen sind", erklärt er. (Anm. d. Red.: Bremen hat mehrere spezialisierte Einrichtungen für Kinder und Jugendliche im Stadtgebiet, die Regionale Beratungs- und Unterstützungszentren – kurz Rebuz – heißen.) Wenn der Verein auf das Gelände des alten Campingplatzes am Unisee umgesiedelt werden sollte, wie es eine aktuelle Machbarkeitsuntersuchung vorschlägt, dann hätten die Kinder keinen Weg mehr von 500 Metern – sondern einen von 2,5 Kilometern.

Verein hätte wenig Platz auf dem Campingplatzgelände

"Das macht einen gewaltigen Unterschied. Wir leben von der Anbindung in den Stadtteil und von der Laufkundschaft. Jetzt können die Kinder aus der ganzen Stadt mit der Bahn kommen und die letzten 100 Meter zu Fuß gehen. Das wäre am alten Campingplatz nicht möglich", sagt Hadler.

Neben der Anbindung ist aber auch der Platz ein Problem auf dem alten Campinggelände. Denn dort würde der Verein nur die Mindestfläche für die sieben Pferde des Vereins zur Verfügung haben und nicht wie jetzt rund 4,5 Hektar.

Meiner Meinung nach ist das Campingplatzgelände ein Feigenblatt der Bremer Politik, um eine Fläche für Kinder und Jugendliche zu schaffen.

Ben Hadler, Vereinsvorstand "Kinder, Wald und Wiese"

SPD: Park schaffe wichtige Arbeitsplätze

Die Machbarkeitsuntersuchung liefert außer den Umsiedlungsplänen für den Verein konkrete Zahlen: Der Ausbau koste demnach rund 17 Millionen Euro. Bis zu acht Jahre könnte es dauern, bis sich Unternehmen auf der neuen Fläche an der Universität Bremen ansiedeln können.

Der SPD-Abgeordnete Volker Stahmann befürwortet das Projekt: "Der Technologiepark ist eines der hochwertigsten Gewerbegebiete, die wir haben – nur noch vergleichbar mit der Airport-Stadt."

Was wir da an Arbeitsplätzen schaffen, sowohl von der Qualifikation als auch an Forschung, Entwicklung und auch von der Anzahl, das schaffen wir nirgendwo sonst.

SPD-Abgeordneter Volker Stahmann

Wichtige Funktion als Kaltluftschneise

Das sieht das Aktionsbündnis, zu dem auch der Verein "Kinder, Wald und Wiese" gehört, anders. Es geht davon aus, dass der Ausbau mehr kosten wird. Außerdem sei die Fläche wichtig für die Natur und Menschen in der Umgebung.

"Wir sehen vor allem auch die ökologische Funktion. Alle reden über Klimawandel – und hier haben wir wirklich einen Bereich, in dem eine Kaltluftschneise entsteht. Die sind in den Städten der Zukunft immer wichtiger. Das darf auf keinen Fall geopfert werden", sagt Martin Rode. Er ist in Bremen der Geschäftsführer des BUND Bremen, der auch Teil des Aktionsbündnisses ist.

Im Sommer heizen sich Städte aufgrund des vielen Betons und Asphalts sehr auf – denn diese Stoffe speichern die Hitze lange Zeit. Ein Fluss, ein Grünstreifen oder auch eine Bahntrasse können dann helfen, kalte Luft in die Stadt zu leiten, denn dort, wo kein Beton verbaut ist, kann es in der Nacht deutlich kühler werden. Die Horner Spitze erfüllt laut dem BUND genau diese Funktion.

Aktionsbündnis: Bleibt nicht beim Ausbau der Horner Spitze

Außerdem glaubt das Aktionsbündnis, dass es bei einem geplanten Ausbau der Horner Spitze nicht bleiben wird. "Wenn es hier losgehen würde, wäre das auch erst der Anfang. Da sind wir fest von überzeugt. Hier muss die Eisenbahnlinie übersprungen werden und wenn das erst einmal gelungen ist, wird es auch weitergehen in die angrenzenden Kleingärten hinein", ist sich Rode sicher.

Wie es mit der Horner Spitze weitergeht, beschäftigt die Menschen im Stadtteil, betont Ortsamtsleiterin Inga Köstner. Sie hofft, dass sich bald eine Lösung findet.

Ich kann beide Seiten sehr gut nachvollziehen. Ich finde aber auch, wenn es darum geht, dass wir neue Einnahmen für Bremen generieren wollen, als Haushalts-Notlage-Land, sind wir ein Stück weit auf diese wirtschaftliche Erschließung angewiesen.

Inga Köstner, Ortsamtsleiterin in Horn-Lehe

Zuständig für die Horner Spitze ist der Beirat Horn-Lehe. Dennoch wird auch im Beirat Schwachhausen über das Gelände diskutiert, da es ebenfalls an diesen Stadtteil grenzt. Am Donnerstagabend ist es wieder Thema dort.

Senat und Wirtschaftsdeputation sollen vor dem Sommer entscheiden

Kinder protestieren gegen die Bebauung der Horner Spitze.
Seit die Pläne im Herbst 2021 bekannt wurden, protestieren Kinder immer wieder gegen die Bebauung. Bild: Radio Bremen

Die Entscheidung darüber, ob der Technologiepark auf der Horner Spitze ausgebaut wird, könnte laut Behörde noch vor der Sommerpause von Senat und Wirtschaftsdeputation getroffen werden.

Sollte die Deputation dem Senat empfehlen, eine Änderung des Bebauungsplans vorzunehmen, will das Aktionsbündnis vorbereitet sein. "Mindestens 200 Leute finden es nicht egal, was mit der Horner Spitze und dem Verein passiert und sind überzeugt, dass eine Umsiedlung langfristig Schaden anrichten würde", sagt Hadler.

Autorinnen

Quelle: buten un binnen.

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 21. März 2025, 19:30 Uhr