Infografik
Wie sich die ausländischen Communitys in Bremen entwickelt haben

Knapp 700.000 Menschen leben 2023 in Bremen. Davon stammt fast jeder Vierte aus dem Ausland. Wir zeigen, wie stark welches Land seit wann in Bremen vertreten ist.
Wie viele Menschen aus dem Ausland in welchem Bundesland leben und welche Staatsangehörigkeit sie haben, zeigen Zahlen des Ausländerzentralregisters. Daraus lässt sich die Größe der Gemeinschaften ableiten – und wie sie sich über die Jahre verändern. Daran lässt sich ablesen, welche Auswirkungen internationale Konflikte und Politik auf dieses Bundesland haben.
Ausländische Bevölkerung im Land Bremen nach Staatsangehörigkeiten
Im Jahr 2023 leben im Land Bremen knapp 700.000 Menschen, davon sind 159.000 Ausländer. Das entspricht einem Anteil von rund 22,7 Prozent. Die Aufzeichnungen des Ausländerzentralregisters beginnen im Bremer Informationssystem des Statistischen Landesamts 1973, weshalb das die früheste Jahreszahl in der Auswertung ist. Damals wohnten 732.738 Menschen im Land Bremen. Gerade einmal 35.049 stammten aus dem Ausland – also 4,8 Prozent.
Als Ausländer gelten Menschen mit einer anderen Staatsangehörigkeit als der deutschen, aber auch Staatenlose und Personen mit ungeklärter Staatsangehörigkeit. Personen, die sowohl die deutsche als auch eine andere Staatsangehörigkeit haben, gelten laut Statistischem Landesamt als deutsche Staatsangehörige.
Wie viele Menschen in Bremen leben – und wie viele Ausländer sind
1961 unterzeichnet Deutschland das Anwerbeabkommen mit der Türkei. Infolge dessen kommen viele Menschen aus der Türkei zum Arbeiten hierher – auch nach Bremen. Zwischen 1961 und 1973 sind es laut dem Statistischen Landesamt Bremen mehr als 2,5 Millionen Menschen. In Bremen werben vor allem die Stahlwerke und die Werften Arbeitskräfte aus der Türkei an. Viele der türkischstämmigen Menschen bleiben, leben und arbeiten bis heute hier.
Ende 2020 leben 23.315 Menschen mit türkischer Staatsangehörigkeit in Bremen; 3,4 Prozent aller Menschen in Bremen haben also einen türkischen Pass. Den höchsten Anteil der türkischstämmigen Bevölkerung gibt es laut Statistischem Landesamt 1997 mit 33.465 Menschen, was einem Bevölkerungsanteil von fünf Prozent entspricht. 41 Prozent aller Ausländer und Ausländerinnen im Land Bremen stammen damals aus der Türkei, 2020 liegt der Anteil bei 17 Prozent.
Wie viele Menschen aus der Türkei in Bremen leben – und wie viele Ausländer insgesamt
Ende der 80er-Jahre kommen viele Polen zum Arbeiten nach Deutschland. Laut der Bundeszentrale für politische Bildung (BPB) sind die beruflichen Perspektiven hier einfach besser. Lange Zeit ist die polnische Community die zweitgrößte in Bremen – wie auch in ganz Deutschland.
Seit 2007 kommen immer mehr Menschen aus Bulgarien und Rumänien nach Bremen. Denn seither gehören beide Länder zur EU. Seit 2014 gelten laut Europäischer Kommission außerdem keine Übergangsregelungen mehr für die Arbeitnehmerfreizügigkeit und sie können sich hier ohne Einschränkungen einen Job suchen.
Doch Menschen kommen nicht nur zum Arbeiten aus dem Ausland nach Bremen. Immer wieder müssen Flüchtlinge vor Kriegen fliehen, wie beispielsweise 1992, als die Unabhängigkeit Bosniens und Herzegowinas zum Bosnienkrieg führte, der bis Ende 1995 dauerte.
Kriege sorgen für größte Fluchtbewegungen
Allen präsent sind außerdem die Unruhen in Syrien, die sich nach 2011 zum Bürgerkrieg entwickelten und infolge derer laut den Vereinten Nationen rund fünf Millionen Menschen in die Nachbarländer flüchteten. Mehr als sieben Millionen Menschen wurden innerhalb des Landes vertrieben. Erst im November 2024 wird das Assad-Regime gestürzt. Viele Syrer sind mittlerweile fest in Bremen verwurzelt und lassen sich teilweise auch hier einbürgern. Jetzt sind sie die zweitgrößte Community in Bremen, gleich hinter der türkischstämmigen Bevölkerung.
Zuletzt sorgt der russische Angriffskrieg auf die Ukraine für eine massive Fluchtbewegung. Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass seit Kriegsausbruch 6,5 Millionen Menschen aus der Ukraine geflohen sind. 2023 leben 12.905 von ihnen in Bremen. Ob sie langfristig hier bleiben und die drittgrößte Community bleiben werden, wird sich erst in den nächsten Jahren zeigen – je nachdem, welche Wendung der Krieg nimmt.
Bremer Aktivistin engagiert sich gegen Rassismus
Quelle: buten un binnen.
Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 29. März 2025, 19:30 Uhr