Interview

Hubi Koch im Interview: Wie aus Burnout sein Buch "Lost Boy" entstand

Bremer Journalist Hubertus Koch präsentiert sein Debüt-Buch "Lost Boy"

Bild: Bastian Bochinski

Der Bremer Journalist Hubertus Koch hat nach Dokumentarfilmen und Podcasts jetzt auch ein Buch veröffentlicht. Warum er ein Buch geschrieben – und was ihn inspiriert hat.

"Lost Boy" ist das neue und erste Buch von Hubertus Koch. Im Schlachthof hat er es dem Bremer Publikum präsentiert.

Warum hast du ein Buch geschrieben?

Ich habe eigentlich die letzten zehn Jahre immer sehr viel geschrieben, aber das meiste für die Mülltonne. Aber dieses Mal, bei diesem Rohstoff, dachte ich auch nach vielen Monaten und Jahren noch, dass es cool ist und dass ich das rausbringen will.

Es ist entstanden, als ich mit Burnout und einer Jobkündigung einfach abgehauen bin nach Sarajevo und Albanien – One-Way-Flug. Und im Balkan im Grunde vor mir selbst und meinen Pflichten zu Hause weggelaufen bin und das Leben reflektieren wollte.

Ein getriebener Geist muss noch immer mehr machen und vor allem sich noch mehr ausdrücken.

Hubertus Koch, Autor und Dokumentarfilmemacher

Warum bist du gerade dorthin?

Ich war noch nicht im Balkan und ich fand das irgendwie cool. Über Bosnien wusste ich noch nicht viel – in Albanien war ich noch nie.

Cover: Hubertus Koch, Lost Boy, Ullstein
Das Cover des Buchs "Lost Boy" von Hubertus Koch Bild: Ullstein

Ist das dann so eine Art Reisebericht oder wie kann man sich die Geschichte vorstellen?

Ich rechne ziemlich ab mit Themen wie der Leistungsgesellschaft, reflektiere die Bedeutung von Arbeit. Lohnt sich der ganze Hustle (das ganze Hetzen, Anm. d. Red.) überhaupt und will ich eigentlich wirklich so leben in meinen ganzen Zwanzigern – oder was anderes machen?

Und ich reflektiere auch so etwas wie meinen Drogenkonsum, Beziehungsfähigkeit, also so die Themen des Lebens. Gleichzeitig freue ich mich über die kleinen Momente, die ich sehe, und guck mir halt die Menschen in Bosnien, in Montenegro, in Albanien an, mit wem ich da so unterwegs bin, verschiedene Reisebekanntschaften und so – was auch ganz witzig ist, glaube ich.

Gibt es da noch so einen Moment oder eine Person, die dir besonders im Gedächtnis geblieben ist?

Ja, einige. Was interessant ist, ist vielleicht dieser Ultra-Keller in Albanien, wo ich irgendwie mit so ziemlich vercrackten Jungs in einem ziemlich verrauchten Keller lande. Da werden Lines gehackt ohne Ende und geballert und gekifft und so weiter. Und ich stell mir irgendwann die Frage: Bin ich hier nicht mitten in die organisierte Kriminalität rein und war das wirklich so eine schlaue Idee, hier hinzukommen? Ist aber gut ausgegangen, sonst würde ich nicht hier sitzen.

Es sind über 260 Seiten. Wie lang hast du an dem Buch geschrieben?

Also der Rohstoff ist auf der Reise in Echtzeit entstanden eigentlich. Ich würde mal sagen in sechs, sieben Wochen, die ich da unterwegs war und dann immer mal wieder. Also ich habe jetzt nicht konzentriert die ganze Zeit jeden Tag nine to five geschrieben, aber immer mal wieder über fünf Jahre.

Am 13. März wurde das Buch veröffentlicht. Nun machst du eine Lesetour.

Ja, aber es ist mehr eine Bühnenshow, würde ich sagen. Also ich lese nicht nur, sondern zeige auch auf der Bühne was aus alten Filmen und erzähle ein bisschen von "behind the scenes" und über die Themen der Reise, die ich auch in meinen Filmen aufgegriffen hab. Ich versuche einfach, eine kurzweilige Bühnenshow zu präsentieren.

Das Interview wurde von Jule Blaase und Milton Tappert für Bremen Next geführt. Aufgeschrieben und redigiert haben es Maya von der Behrens und Hannah Busch.

  • Interview mit Hubertus Koch zur Buchveröffentlichung "Lost Boy"

    Der Bremer Journalist Hubertus Koch hat nach Dokumentationsfilmen und Podcasts jetzt auch ein Buch veröffentlicht. Wir fragen nach, was ihn inspiriert hat.

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Quelle: buten un binnen.

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 5. April 2025, 19.30 Uhr